Ein einziges falsches Kreuz im Angebot, und aus dem geplanten Budget wird eine offene Flanke. Wer ein Erklärvideo in Auftrag gibt, stolpert nicht über die Frage, ob es nötig ist – sondern darüber, wie abgerechnet wird. Die Preismodelle von Erklärfilm-Anbietern gleichen einem Flickenteppich aus Logiken, von denen manche schützen, andere verschleiern.
Festpreis: Der Schutzwall gegen Projektchaos
Der Festpreis verspricht, was jeder Auftraggeber sucht: Planbarkeit. Ein definiertes Leistungspaket, ein fixer Betrag, keine bösen Überraschungen am Ende. Diese Abrechnungsform dominiert die Branche, weil sie Kontrolle suggeriert. Doch Festpreise sind nur dann transparent, wenn das Briefing präzise ist und beide Seiten wissen, was „fertig" bedeutet.
Die Realität zeigt: Je unschärfer der Projektumfang, desto größer die Gefahr von Nachverhandlungen. Agenturen kalkulieren Puffer ein, um Risiken abzufedern. Das bedeutet: Wer einen straffen Ablauf garantieren kann, zahlt für Luft. Wer dagegen mit vagen Vorstellungen startet, erlebt, wie aus dem Festpreis ein variables Konstrukt wird – sobald die dritte Korrekturschleife ansteht oder plötzlich eine internationale Version gewünscht ist.
Gerade bei komplexen Kostenfaktoren der Videoproduktion zeigt sich, dass Festpreise nur dann Sinn ergeben, wenn alle Parameter vorab definiert wurden. Anderenfalls mutiert der vermeintliche Schutzwall zum Verhandlungspoker.
Stundensatz: Die Kunst der laufenden Abrechnung
Der Stundensatz folgt einer anderen Philosophie: Bezahlt wird, was tatsächlich geleistet wurde. Klingt fair – ist es auch, sofern beide Seiten dieselbe Vorstellung von Aufwand haben. Die Kalkulationsmethoden in der Videoproduktion offenbaren, wie stark Stundensätze zwischen Freelancern und etablierten Agenturen variieren.
Das Problem: Stundensätze sind anfällig für Interpretationen. Was zählt als produktive Arbeitszeit? Gehören Abstimmungsrunden dazu? Recherche? Feedbackschleifen? Ohne klare Vereinbarung wird aus jeder E-Mail eine Position auf der Rechnung. Dieser Abrechnungsmodus eignet sich vor allem für Projekte, bei denen der Umfang nicht vorhersehbar ist – etwa bei iterativen Entwicklungen oder Pilotprojekten.
Doch Vorsicht: Die vermeintliche Flexibilität kann sich in ihr Gegenteil verkehren. Wer keine Obergrenze definiert, riskiert, dass das Projekt teurer wird als jeder Festpreis. Deshalb setzen viele Auftraggeber auf Stundensätze mit einem Deckel – eine Hybridlösung, die Beweglichkeit erlaubt, ohne die Kontrolle aufzugeben.
Paketpreise: Der modulare Mittelweg
Paketpreise kombinieren Festpreis und Flexibilität. Sie zerlegen die Produktion in Module: Skript, Storyboard, Animation, Vertonung. Jedes Modul hat einen fixen Preis, aber die Zusammenstellung bleibt variabel. Diese Logik spricht Kunden an, die wissen, was sie brauchen, aber noch nicht in allen Details festgelegt sind.
Der Charme liegt in der Skalierbarkeit. Ein Basispaket deckt die Kernleistung ab, Zusatzmodule erweitern nach Bedarf. So lässt sich ein Projekt starten, ohne gleich das volle Budget zu verpflichten. Gleichzeitig birgt diese Struktur eine Falle: Die Addition vieler kleiner Module kann teurer werden als ein Gesamtpaket – besonders wenn jede Schnittstelle zwischen den Modulen zusätzliche Abstimmung erfordert.
Zudem ist nicht immer klar, welche Leistungen in welchem Modul enthalten sind. Gehört die dritte Korrekturschleife noch zum Animationsmodul oder wird sie separat abgerechnet? Wer professionelle Erklärfilme in Auftrag gibt, sollte genau prüfen, ob die Modulgrenzen sauber definiert sind.
Abrechnung nach Komplexität: Der dynamische Ansatz
Einige Anbieter rechnen nach Komplexität ab: Länge des Videos, Anzahl der Charaktere, Detailgrad der Animation, Stilrichtung. Diese Methode orientiert sich am tatsächlichen Produktionsaufwand und vermeidet pauschale Preise für unterschiedliche Anforderungen. Ein 60-Sekunden-Video mit drei Charakteren und komplexer Motion-Graphics-Ästhetik kostet mehr als eine minimalistische Whiteboard-Animation.
Das klingt logisch, setzt aber voraus, dass beide Seiten dieselbe Definition von Komplexität teilen. Was für einen Auftraggeber simpel erscheint, kann aus Produktionssicht aufwendig sein – etwa wenn ein vermeintlich einfacher Stil präzises Timing erfordert. Umgekehrt wirken manche visuell beeindruckende Animationen einfacher, als sie technisch sind.
Dieser Ansatz funktioniert am besten, wenn der Anbieter transparent macht, welche Faktoren den Preis treiben. Eine klare Aufschlüsselung nach Kosten und Qualität schafft Vertrauen und verhindert, dass aus Unklarheiten Konflikte werden.
Value-Based Pricing: Wenn der Nutzen den Preis bestimmt
Eine weniger verbreitete, aber zunehmend diskutierte Variante ist das wertbasierte Pricing. Hier orientiert sich der Preis nicht am Aufwand, sondern am erwarteten Geschäftswert des Videos. Ein Erklärvideo, das für eine Kampagne mit einem Budget von 500.000 Euro produziert wird, kostet mehr als eines für eine interne Schulung – selbst wenn der Produktionsaufwand identisch ist.
Dieses Modell setzt voraus, dass der Anbieter die Geschäftsziele des Kunden kennt und den eigenen Beitrag zum Erfolg realistisch einschätzen kann. Es verschiebt die Perspektive: Statt „Was kostet die Produktion?" lautet die Frage „Was ist das Video dem Kunden wert?". Das kann zu höheren Preisen führen, schafft aber auch eine Partnerschaft auf Augenhöhe.
Kritiker bemängeln, dass diese Logik schwer messbar ist. Wie beziffert man den Wert eines Videos, das Vertrauen schafft, aber nicht direkt Conversions generiert? Wer sich für dieses Modell entscheidet, braucht ein belastbares Wirkungsmodell – und die Bereitschaft, über reine Produktionskosten hinauszudenken.
DIY-Plattformen: Wenn Eigenregie zur Kostenfalle wird
Neben professionellen Anbietern locken DIY-Tools mit Versprechen von Kontrolle und niedrigen Kosten. Plattformen bieten Templates, Drag-and-Drop-Interfaces und Musik-Bibliotheken – alles für einen Bruchteil dessen, was eine Agentur verlangt. Der Vergleich zwischen Agentur und Selbermachen zeigt jedoch: Die sichtbaren Kosten sind nur ein Teil der Gleichung.
Was fehlt, sind die unsichtbaren Aufwände: Konzeption, Dramaturgie, visuelles Storytelling. Wer ohne Erfahrung animiert, investiert Stunden in Ergebnisse, die visuell funktionieren, aber strategisch verpuffen. Die Kostenstrukturen in der Produktion zeigen, dass echte Expertise nicht durch Software ersetzt werden kann – sie verschiebt nur, wer die Arbeit leistet.
DIY-Lösungen sind dann sinnvoll, wenn das Budget eng ist und die Ansprüche klar definiert sind. Für schnelle interne Kommunikation oder Testformate können sie genügen. Sobald das Video aber in Marketing-Kanälen arbeiten soll, steigt das Risiko, dass ein billiges Tool teurer wird als gedacht – gemessen in verpassten Chancen.
Hybridmodelle: Die Zukunft der Abrechnung?
Immer mehr Anbieter experimentieren mit Hybridlösungen, die Elemente verschiedener Preismodelle kombinieren. Ein Festpreis für die Basisproduktion, Stundensätze für Anpassungen, Paketoptionen für internationale Versionen. Diese Flexibilität erlaubt maßgeschneiderte Lösungen, erhöht aber auch die Komplexität.
Der Vorteil: Jedes Projekt bekommt die Abrechnungslogik, die zu seiner Struktur passt. Der Nachteil: Ohne klare Kommunikation wird aus dem Hybridmodell ein undurchschaubares Konstrukt. Wer mehrere Abrechnungsarten mischt, muss transparent machen, wann welche Logik greift – und warum.
Solche Modelle funktionieren am besten in langfristigen Partnerschaften, in denen beide Seiten gelernt haben, wie der andere arbeitet. Für einmalige Projekte sind sie riskant, weil jede Unklarheit zur Verhandlungsmasse wird.
Vertragsklauseln: Wo Preismodelle auf Realität treffen
Jedes Preismodell steht und fällt mit den vertraglichen Rahmenbedingungen. Was passiert bei Projektverzögerungen, die der Kunde verursacht? Wie viele Korrekturschleifen sind inkludiert? Wer trägt das Risiko, wenn externe Faktoren – etwa Lizenzkosten für Musik – unerwartet steigen?
Die rechtlichen Aspekte der Videoproduktion machen deutlich, dass Preismodelle nur der Anfang sind. Entscheidend ist, wie sie in Verträge übersetzt werden. Klauseln zu Nutzungsrechten, Haftung und Zahlungszielen beeinflussen den effektiven Preis oft stärker als die gewählte Abrechnungsart.
Ein häufiger Streitpunkt: Wem gehört das Rohmaterial? Bei Festpreisen wird oft angenommen, dass alle Rechte an den Kunden übergehen. Tatsächlich behalten viele Anbieter das Material und lizenzieren nur das finale Video. Wer später eine angepasste Version braucht, muss erneut zahlen – oder entdeckt, dass der Festpreis gar nicht so fest war.
FAQ: Preismodelle von Erklärfilm-Anbietern
Welches Preismodell ist für kleine Budgets am besten?
Paketpreise mit Basismodulen bieten oft den besten Einstieg. Sie ermöglichen professionelle Qualität ohne Vollumfang und lassen sich später erweitern.
Wann lohnt sich ein Stundensatz statt eines Festpreises?
Wenn der Projektumfang unklar ist oder iterative Entwicklung gefragt ist. Wichtig: Vereinbaren Sie eine Kostenobergrenze.
Sind DIY-Tools eine echte Alternative zu Agenturen?
Für interne Zwecke und Tests ja. Für Marketing und externe Kommunikation fehlt meist die strategische Tiefe, die professionelle Anbieter mitbringen.
Was sollte im Vertrag stehen, unabhängig vom Preismodell?
Anzahl der Korrekturschleifen, Nutzungsrechte, Zahlungsziele, Haftungsregelungen und Definition von „Projektabschluss".
Wie erkenne ich versteckte Kosten?
Fragen Sie nach Leistungen außerhalb des Pakets: Musik-Lizenzen, zusätzliche Sprachversionen, Anpassungen nach Abnahme, Hosting-Kosten.
Macht Value-Based Pricing für alle Projekte Sinn?
Nein. Es funktioniert nur, wenn der Geschäftswert messbar ist und beide Seiten eine partnerschaftliche Perspektive einnehmen.
Preismodelle sind keine neutrale Technik, sondern Ausdruck einer Haltung: Wie viel Risiko übernimmt wer? Wer profitiert von Unklarheit, wer von Transparenz? Die Wahl des Modells entscheidet nicht nur über Euros, sondern über die Qualität der Zusammenarbeit. Ein gutes Preismodell schafft keine Gewinner und Verlierer, sondern einen Rahmen, in dem beide Seiten gewinnen können – oder gemeinsam scheitern.




































































































