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Animierte Infografik: Wann Bewegung Daten verständlicher macht
Wann eine animierte Infografik mehr erklärt als eine statische, welche Inhalte sich eignen und was sie kostet: Regeln aus der Forschung, Beispiele, Preise.
· 10 Min. Lesezeit · Von Andreas Stoll
Inhalt
- Was ist eine animierte Infografik?
- Ist eine animierte Infografik besser als eine statische?
- Welche Inhalte eignen sich für eine animierte Infografik?
- Wie gestalten Sie eine animierte Infografik, die verstanden wird?
- Wie wird eine animierte Infografik barrierefrei?
- Animierte Infografik selbst erstellen oder produzieren lassen?
- Was kostet eine animierte Infografik als Video?
- Häufige Fragen zur animierten Infografik
Eine animierte Infografik ist eine Infografik, deren Elemente sich bewegen: Balken wachsen, Linien zeichnen sich, Zahlen zählen hoch, ein Ablauf baut sich Schritt für Schritt auf. Meist läuft sie als kurzes Video mit Sprecherstimme, seltener als bewegtes Element auf einer Webseite oder in einer Präsentation. Bewegung macht Daten aber nicht von selbst verständlicher. Sie hilft dort, wo sich etwas verändert oder nacheinander geschieht, und sie schadet dort, wo der Betrachter in Ruhe vergleichen will. Dieser Beitrag zeigt, wann sich eine animierte Infografik lohnt, welche Gestaltungsregeln die Forschung stützt und was eine Produktion kostet. Wie ein Erklärvideo insgesamt aufgebaut ist, beschreibt unser Erklärfilm-Ratgeber.
Das Wichtigste auf einen Blick:
- Stärke: Veränderung über Zeit, Abläufe in Schritten und Ursache-Wirkungs-Ketten.
- Schwäche: genaues Ablesen und Vergleichen vieler Werte — dafür ist die statische Grafik besser.
- Wichtigste Regel: eine Aussage je Szene, Bild und Sprecher synchron, alles Überflüssige weglassen.
- Kosten: als Erklärvideo im Stil Motion Graphics 5.990 € netto für eine Minute.
Was ist eine animierte Infografik?
Eine animierte Infografik übersetzt Zahlen, Zusammenhänge oder Abläufe in Grafik und legt fest, in welcher Reihenfolge der Betrachter sie zu sehen bekommt. Genau das unterscheidet sie von der statischen Infografik. Ein Plakat oder eine Grafik im Geschäftsbericht zeigt alles gleichzeitig, und der Leser entscheidet selbst, wo er hinschaut. Die animierte Fassung führt den Blick: erst die Ausgangslage, dann die Veränderung, zuletzt das Ergebnis. Was eine gute Infografik grundsätzlich ausmacht, steht in unserem Beitrag Was sind Infografiken?.
In der Praxis begegnen Ihnen zwei Formen. Die erste ist das bewegte Diagramm ohne Ton, etwa in einer Präsentation, auf einer Webseite oder als kurze Schleife in sozialen Netzwerken. Die zweite ist das Infografik-Video: ein Erklärvideo, das fast ausschließlich mit Diagrammen, Symbolen und bewegter Schrift arbeitet und von einer Sprecherstimme getragen wird. Bei Explainr gehört diese zweite Form zum Animationsstil Motion Graphics.
Das bekannteste Beispiel stammt aus der Wissenschaft. Der schwedische Mediziner Hans Rosling zeigte in seinem Vortrag „The best stats you've ever seen“ im Februar 2006, wie sich Lebenserwartung und Familiengröße der Länder über Jahrzehnte verschoben — als Blasen, die über ein Diagramm wandern, kommentiert wie ein Sportereignis. Der Vortrag wurde auf der TED-Seite über 16 Millionen Mal abgespielt. Er zeigt, was Bewegung leisten kann: Eine Entwicklung über Jahrzehnte wird in Minuten sichtbar.
Ist eine animierte Infografik besser als eine statische?
Nicht automatisch. Animation hilft, wenn sie zeigt, was sich verändert, und sie schadet, wenn der Betrachter Werte genau ablesen soll. Die Forschung dazu ist ernüchternder, als die Begeisterung für bewegte Grafik vermuten lässt.
Die Psychologin Barbara Tversky und ihre Mitautorinnen haben die Studienlage in einem viel zitierten Aufsatz geprüft: „Animation: can it facilitate?“. Ihr Befund: Wo animierte Grafiken besser abschnitten als statische, zeigten sie oft schlicht mehr Information oder ließen sich bedienen. Ein Grund für Misserfolge liegt nach ihrer Analyse in der Wahrnehmung: Animationen sind häufig zu schnell oder zu komplex, um genau erfasst zu werden. Außerdem stellen sich Menschen viele fließende Abläufe ohnehin als Folge einzelner Schritte vor. Die Autorinnen messen Grafiken an zwei Prinzipien. Die Grafik soll in Inhalt und Form dem entsprechen, was sie vermitteln will, und sie muss sich richtig wahrnehmen und verstehen lassen.
Ein Team von Microsoft Research hat das für Trenddiagramme im Stil von Rosling nachgemessen. In der Studie zur Wirkung von Animation in Trendvisualisierungen war Animation die schnellste Form der Präsentation, und die Teilnehmenden fanden sie unterhaltsam — sie führte aber selbst dort zu vielen Fehlern. Für die Analyse war sie die am wenigsten wirksame Form: Statische Darstellungen waren schneller, nebeneinandergestellte kleine Einzeldiagramme zudem genauer. Für eine Präsentation heißt das nicht, auf Bewegung zu verzichten, sondern sie so zu bauen, dass niemand etwas verpasst. Wie das geht, zeigt der Abschnitt zur Gestaltung weiter unten.
Ein Gegenbeispiel liefern Jeffrey Heer und George Robertson. In ihren Experimenten zu animierten Übergängen halfen Animationen den Teilnehmenden, Veränderungen zwischen zwei Diagrammen zu verfolgen, etwa wenn aus einem Streudiagramm ein Balkendiagramm wird. Die Forscher zerlegen den Übergang dafür in Stufen, statt alles gleichzeitig zu bewegen.
| Bewegung hilft | Statisch ist besser | |
|---|---|---|
| Aufgabe | eine Entwicklung oder einen Ablauf erzählen | Werte ablesen und vergleichen |
| Situation | Präsentation, Video, Messe | Bericht, Datenblatt, Analyse |
| Beispiel | Wie ein Auftrag durch die Abteilungen läuft | Umsatz je Region im Quartalsvergleich |
Welche Inhalte eignen sich für eine animierte Infografik?
Inhalte, bei denen die Reihenfolge Teil der Aussage ist. Das trifft auf vier Arten von Themen zu: Entwicklungen über Zeit, Abläufe mit festen Schritten, Entscheidungen mit Verzweigungen und Systeme, deren Teile zusammenwirken. In allen vier Fällen muss eine statische Grafik alles gleichzeitig zeigen. Die Animation kann dagegen erzählen, was zuerst kommt und was daraus folgt.
Einige Beispiele aus unseren Motion-Graphics-Produktionen zeigen, wie breit das reicht. Für den ERP-Anbieter myfactory erklärt ein Film, welche Kennzahlen ein Cloud-ERP-Dashboard abbilden sollte — von Erträgen, Aufwendungen und Marge über Lager- und Auftragsbestände bis zu Umsätzen, gefiltert nach Perioden. Das Gründerportal für-gründer.de lässt einen Film durch die Unternehmensanmeldung führen, sortiert nach Rechtsform und mit Sonderfällen wie Handwerksrolle oder Gesundheitsamt. Ein typischer Fall von Verzweigung, der als Tabelle kaum lesbar wäre.
Auch abstrakte Systeme gehören dazu. Für die Lechwerke erklärt ein Film Betreibern von Industrie- und Biogasanlagen, welche Rolle ihre Anlagen im Gesamtsystem der Energieversorgung spielen. Für Psyware zeigt ein Film, wie eine Software Sprachproben in über 100 Informationsbausteine zerlegt und daraus Aussagen zusammensetzt — ein Funktionsprinzip, das sich nicht fotografieren lässt. Und für Sparhandy beantwortet ein Film die Frage, wie ein Vermittler Mobilfunkverträge günstiger anbieten kann als der Netzbetreiber selbst. Weitere Arbeiten finden Sie in unseren Referenzen im Stil Motion Graphics.
Wie gestalten Sie eine animierte Infografik, die verstanden wird?
Indem Sie dem Betrachter weniger auf einmal zumuten. Fast jede Regel für gute animierte Infografiken folgt aus einer einzigen Einsicht: Auge und Ohr nehmen gleichzeitig nur begrenzt viel auf. Der Lernpsychologe Richard Mayer hat dazu mit Roxana Moreno eine Übersicht über Wege, die kognitive Belastung zu senken, veröffentlicht. Vier ihrer Empfehlungen lassen sich direkt auf Infografik-Videos übertragen:
- Weglassen: Interessantes, aber Unwesentliches streicht man — Dekoration, Nebenzahlen, zweite Botschaften.
- Hervorheben: Signale zeigen, wohin der Blick soll, etwa ein Farbwechsel am entscheidenden Balken.
- Synchron halten: Die Zahl erscheint in dem Moment, in dem der Sprecher sie nennt, nicht vorher und nicht danach.
- Nicht doppeln: Der gesprochene Text steht nicht zusätzlich vollständig im Bild. Eingeblendet werden Schlüsselwörter und Zahlen.
Daraus ergibt sich das Grundmuster einer verständlichen Szene: eine Aussage, eine Grafik, eine Bewegung. Ändern sich Achse und Werte gleichzeitig, verliert der Betrachter den Bezug. Besser ist der Weg, den Heer und Robertson beschreiben — erst das eine, dann das andere. Ebenso wichtig ist das Tempo. Eine Grafik braucht nach ihrer Bewegung einen Moment Stillstand, damit das Ergebnis ankommt, bevor die nächste Szene beginnt.
Ein Punkt wird häufig übersehen: die Farbe. Etwa einer von zwölf Männern ist laut dem US-amerikanischen National Eye Institute farbsehschwach, am häufigsten mit Schwierigkeiten, Rot und Grün zu unterscheiden. Eine Infografik, die Gewinn und Verlust nur über Grün und Rot trennt, erreicht diesen Teil des Publikums nicht. Beschriftung, Helligkeitsunterschiede oder Symbole schaffen Abhilfe, ohne dass das Corporate Design leidet.
Wie wird eine animierte Infografik barrierefrei?
Mit Untertiteln für Menschen, die nicht oder schlecht hören, und mit einer Audiodeskription, wenn wichtige Informationen nur im Bild stehen. So beschreibt es der Leitfaden für barrierefreie Online-Videos des Projekts BIK für Alle. Untertitel helfen dem Leitfaden zufolge auch Zuschauenden, die das Video unterwegs ohne Kopfhörer ansehen.
Für Infografik-Videos ist der zweite Teil besonders wichtig. Wenn der Sprecher sagt „wie Sie hier sehen“ und die Zahl nur im Diagramm steht, fehlt sie blinden Menschen. Die einfachste Lösung liegt deshalb im Skript: Jede Zahl, die zählt, wird auch gesprochen. Auf der Website sollten Untertitel zuschaltbar sein, statt fest im Bild zu stehen. So bleibt das Bild für alle anderen frei von doppeltem Text, was der vierten Regel aus dem vorigen Abschnitt entspricht. Läuft ein Film mit Sprecher dagegen ohne Ton, etwa am Messestand, gehören die Untertitel fest ins Bild — dann hört niemand die Stimme, die sie doppeln würden.
Animierte Infografik selbst erstellen oder produzieren lassen?
Für ein einzelnes bewegtes Diagramm reicht oft das Werkzeug, das Sie ohnehin nutzen. Präsentationsprogramme blenden Balken und Datenreihen schrittweise ein, und viele Online-Grafikdienste bieten einfache Bewegungseffekte. Das genügt für einen Vortrag oder einen Beitrag in sozialen Netzwerken, in dem eine Zahl im Mittelpunkt steht.
Ein Infografik-Video mit Sprecher ist ein anderes Vorhaben. Hier entscheidet das Skript über die Wirkung, nicht die Animation: Welche drei, vier Zahlen tragen die Aussage, und in welcher Reihenfolge ergeben sie eine Geschichte? Das Skript gehört zu jedem Paket; ab dem Standard-Paket schreiben es unsere Autoren, bevor animiert wird. Der Ablauf hat fünf Schritte — Briefing, Skript, Sprecher und Musik, Storyboard zur Stimme, Produktion. Skript und Storyboard geben Sie frei, bevor die Animation beginnt. Das ist bei Datenthemen der wichtigste Schutz: Jede Zahl ist abgenommen, bevor sie aufwendig bewegt wird. Wie die Zusammenarbeit im Einzelnen aussieht, steht auf unserer Seite zum Erklärvideo erstellen lassen. Wir produzieren Erklärvideos seit 2012, inzwischen in über 1.000 Projekten.
Was kostet eine animierte Infografik als Video?
Ein Infografik-Video im Stil Motion Graphics kostet bei Explainr 5.990 € netto. Das ist unser Premium-Paket, ein Festpreis für eine fertige Minute einschließlich Sprecher, Musik und Storyboard. Geliefert wird in vier bis sechs Wochen; muss es schneller gehen, ist bei jedem Paket Express in zwei Wochen nach Absprache möglich.
Ob es Motion Graphics sein muss, hängt an den Daten und am Einsatzort. Wenige, klare Zahlen lassen sich ebenso gut zeichnen, als Whiteboard-Animation: KI-unterstützt im Basis-Paket für 1.990 € netto mit Lieferung in drei bis vier Wochen, farbig im Standard-Paket für 3.990 € netto mit Lieferung in vier bis sechs Wochen. Motion Graphics spielt seine Stärke aus, wenn Diagramme, Typografie und Farben exakt Ihrem Erscheinungsbild folgen sollen, etwa für einen Messestand oder ein Gespräch mit Investoren.
Bei Datenthemen ist die Versuchung groß, noch eine Kennzahl und noch eine Grafik unterzubringen. Jede zusätzliche Szene verlängert aber den Film, und jede Sekunde muss animiert werden: Eine zweite Minute verdoppelt die Animationsarbeit nahezu. Die Paketpreise gelten für eine Minute — wer mehr als 60 Sekunden plant, klärt den Umfang deshalb vorab. Weniger Kennzahlen sind dabei kein Verlust, denn eine verdichtete Aussage wird auch besser verstanden. Alle Leistungen je Paket stehen auf der Seite Erklärvideo-Kosten.
Häufige Fragen zur animierten Infografik
Wie lang sollte eine animierte Infografik sein?
Als Video mit Sprecher meist 60 bis 90 Sekunden. Das reicht für eine Kernaussage mit drei bis vier tragenden Zahlen. Als stumme Schleife in sozialen Netzwerken oder auf einer Webseite genügen wenige Sekunden je Aussage. Die Paketpreise gelten für eine Minute; eine längere Laufzeit steht vorab im Angebot.
Wann ist eine statische Infografik die bessere Wahl?
Wenn der Betrachter viele Werte selbst vergleichen oder nachschlagen soll, etwa in einem Bericht oder Datenblatt. Eine Studie von Microsoft Research zu Trenddiagrammen zeigt, dass statische Darstellungen bei der Analyse schneller sind und kleine Einzeldiagramme nebeneinander zudem genauer.
Kann ich eine bestehende Infografik animieren lassen?
Ja, eine vorhandene Grafik und die Zahlen dahinter sind ein guter Ausgangspunkt für das Briefing. Eins zu eins übernehmen lässt sie sich selten. Das Video führt den Blick, wo die Grafik ihn freilässt, deshalb muss die Reihenfolge der Aussagen neu festgelegt werden. Wir klären zuerst, welche Aussage am Ende stehen soll, und schreiben dann das Skript dazu. Was ein solches Projekt kostet, sehen Sie vorab auf unserer Preisseite mit allen Paketen; für ein Gespräch über Ihr Thema erreichen Sie uns über die Seite zur Erklärvideo-Produktion.
Von Andreas Stoll
Explainr — Erklärvideos seit 2012